Zahngesundheit bei Hund und Katze

Gesunde Zähne sind nicht nur für uns Menschen ein Muss, sondern auch für unsere Haustiere!

Da uns in unserer täglichen Praxis aufgefallen ist, wie wenig über die Notwendigkeit von gesunden Zähnen

bei Hund und Katze bekannt ist, ist es uns wichtig hier etwas Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Mundhygiene

und Zahngesundheit unserer Haustiere ist leider immer noch ein etwas stiefkindlich behandeltes Thema in

der Tiermedizin.

Für uns Menschen ist es heute selbstverständlich, dass gesunde Zähne für einen gesunden Körper

unerlässlich sind. Deshalb sollte man sich zunächst fragen:

Warum sollte das bei unseren Haustieren anders sein?

Ein Zusammenhang von Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen mit schlechten und entzündeten

Zähnen wird uns bereits im Biologieunterricht in der Schule beigebracht.

Warum sollte das bei unseren Haustieren anders sein?

Jedem von uns ist, häufig durch eigene schmerzhafte Erfahrungen klar, dass Zahnschmerzen

fürchterlich und unerträglich sind.

Warum sollte das bei unseren Haustieren anders sein?

Viele von uns haben eine höllische Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt!

Dieses ist anders bei unseren Haustieren!

Zum einen wissen Sie nicht, dass der Tierarzt auch der Zahnarzt ist ☺ und zum anderen, werden alle

notwendigen Zahnbehandlungen unter einer schonenden Vollnarkose durchgeführt.

Eine häufige Tatsache bei uns vorgestellten Patienten mit schlechtem Allgemeinbefinden, Abmagerung und

schlechtem Appetit ist, dass selbst in diesem Zustand ein Zusammenhang mit entzündeten und vereiterten

Zähnen von den Tierbesitzern nicht gesehen wird!!!

Hunde und Katzen sind, was wichtige physiologische und anatomische Grundlagen angeht, genauso

aufgebaut wie wir Menschen.

Deshalb trifft auch auf sie zu, dass schlechte und entzündete Zähne durch fortwährende

Bakterienabschwemmung mit dem Blut zu Herzklappenerkrankungen, Niereninsuffizienzen und sogar zur

Leberzirrhose führen kann. Was das Schmerzempfinden unserer Haustiere angeht, hört man leider auch

immer noch haarsträubende Meinungen. Heute weiß man, dass Hunde und Katzen ein gleiches

Schmerzempfinden haben wie wir Menschen. Sie verarbeiten den Schmerz nur anders und zeigen ihn leider

nicht so deutlich wie wir Menschen. Denn dann wäre jedem Tierbesitzer klar, dass hochgradig entzündetes

Zahnfleisch, ein Loch in einem Zahn oder ein freiliegender Nerv nicht noch warten kann!!!

Die häufigsten Zahnprobleme bei Hund und Katze sind auf mangelnde Mundhygiene zurückzuführen.

Würden sich unsere Haustiere 2 x am Tag die Zähne putzen, müssten wir hier keine Aufklärung betreiben.

Durch die veränderten Nahrungsverhältnisse können Haustiere kaum mehr eine natürliche „Zahnreinigung“

durchführen, hinzu kommt eine große genetische Komponente zur Bildung von Zahnstein. Auflagerungen

durch Futterreste und Zahnsteinbildung bieten die Grundlage für eine Besiedlung mit Bakterien. In diesem

Stadium ist der Zahn und das Zahnfleisch meist noch völlig intakt und würden es durch eine

Ultraschallzahnsteinentfernung und weiterer Zahnpflege auch bleiben. Unter diesen Auflagerungen werden

nun aber im weiteren Stadium das Zahnfleisch, der Zahnschmelz und der Zahnhalteapparat angegriffen.

Häufig ist ein solcher Zahn mit zahnerhaltenden Maßnahmen nicht mehr zu retten und muss gezogen

werden. Zahnerhaltende Maßnahmen wie Füllungen und Überkronungen sind Behandlungen, die man vom

Besuch bei seinem eignen Zahnarzt kennt, diese Zahnerhaltenden Maßnahmen sind heute in der

Tiermedizin ebenfalls möglich und gängig. Diese Behandlungen sind zwar etwas kostspieliger aber erhalten

die Mundästhetik des Tieres, sie sind jedoch aus medizinischer Sicht nicht immer zwingend erforderlich.

Eine Entfernung des kariösen Zahns ist zwar eine radikale Behandlung, stellt aber eine dauerhafte

und vollständige Therapie des Zahnproblems dar.

Schauen Sie sich doch einmal das Gebiss Ihres Hundes oder Ihrer Katze an, hier besteht nämlich wirklich

ein Unterschied zu uns Menschen. Hunde und Katzen benötigen Ihre Zähne nur zum „Zerreißen“ ihrer

Beutetiere. Sie werden im Mund Ihres Hundes oder Ihrer Katze Mahlzähne vergeblich suchen. Sie besitzen

nur spitze, scharfe Zähne zur Zerkleinerung von Beutetieren, um sie schlucken zu können. Bei der heutigen

Fütterung von Hunden und Katzen ist dieses wohl kaum noch nötig, denn Chappi, Whiskas & Co müssen

nicht mehr erbeutet und zerrissen werden.

Hunde und Katzen sind so genannte „Schlingfresser“, weshalb sie für Dosen- oder auch

Trockenfutter nicht einen einzigen Zahn benötigen. Ihre Verdauungsphysiologie ist daran angepasst

und es entstehen dadurch keine Verdauungsprobleme.

Darum schrecken Sie als Tierbesitzer nicht zurück, wenn Ihnen Ihr Tierarzt erklärt, dass vier, fünf oder sogar

zehn Zähne gezogen werden müssen, was bei fortschreitenden Stadien der Entzündung durchaus nötig

werden kann. Sie können sich jedoch auch für die vollständige Restauration des Gebisses mittels Füllungen,

Wurzelfüllungen und Kronen entscheiden, hier entscheidet nicht zuletzt auch der Kostenfaktor.

Verschleppte Zahn- und Zahnfleischentzündungen stellen bei Hund und Katze eine der häufigsten

Ursachen für Herzklappen- und Nierenerkrankungen dar, die bei frühzeitiger Feststellung und

Behandlung vermieden werden können.

Abgeschwemmte Bakterien und Entzündungszellen gelangen mit dem Blut in das Herz und können dort an

den Herzklappen hängen bleiben, wo sie Ihre Entzündung fortsetzen und zu einer Herzklappenentzündung

führen. Die Bakterien und Entzündungszellen, die das Herz passiert haben und nicht hängen geblieben sind,

setzen ihre Reise zur Niere fort. Dort können sie die, wie ein Filter aufgebaute, Niere verstopfen und hier

ebenfalls eine Entzündung verursachen, was zum Absterben von Nierengewebe führt. Die Restlichen

können nach Fortsetzen ihrer Reise in die Leber gelangen und tun hier ihr Übriges.

Häufig wird uns gesagt: „Das Tier ist aber schon 10 Jahre alt, soll ich ihm das noch zumuten und außerdem

ist das Narkoserisiko ja auch erhöht“.

Ja, Ihr Tier hat mit 10 Jahren und einem eventuellen Herzfehler ein erhöhtes Narkoserisiko, aber bei einer

zeitgemäßen Inhalationsnarkose ist dieses verschwindend gering und das Risiko, dass Ihr Tier an der

fortschreitenden Herzklappenendokardiose oder einem Nierenversagen stirbt ist wesentlich höher!

Und noch einmal Ja, Sie sollten es Ihrem zehnjährigen Gefährten zumuten seine ständigen

Zahnschmerzen los zu werden und eventuell noch weitere zwei, vier oder sogar acht Jahre mit Ihnen leben

zu können!

Deshalb der eindringliche Rat, lassen Sie die Zahngesundheit Ihres Tieres bei jedem

Gesundheitscheck und jedem Impftermin überprüfen, diese kostet nicht einmal etwas extra!

Wenn Ihr Tier eine Veranlagung zu Zahnproblemen hat, dann lassen Sie 2 x jährlich einen Zahncheck

machen! Nach einer Zahnsanierung oder aber auch zur Vorbeugung empfiehlt es sich das Zähneputzen zu

trainieren. Hierzu stehen bei Ihrem Tierarzt spezielle Zahnbürsten und Zahncremes zur Verfügung. Auch

selbstwirkende Zahncremes auf Enzymbasis und Kaustreifen/-spielzeug sind hilfreich.

Wir hoffen, dass wir Sie für die Zahngesundheit Ihres Haustieres etwas sensibilisieren konnten.

 

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