Vergiftungsgefahren für Haustiere

Zahlreiche Haustiere sterben jedes Jahr an Vergiftungen, die nicht nur aufgrund von „echten“ Giften

hervorgerufen werden, sondern in rund einem Viertel der Fälle auch auf Pflanzen und Lebensmittel zurück

zuführen sind, an denen sie herumgekaut, spielerisch hineingebissen oder die sie gar gefressen haben. Oft

ist die Gefährdung durch bestimmte Lebensmittel oder Pflanzen nicht bekannt. Umso mehr liegt es uns am

Herzen ihnen als Tierbesitzer eine Auflistung an die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie durch bestimmte

Vorkehrungen das Auftreten von bestimmten Vergiftungen vermeiden können.

Vergiftungen durch Nahrungsmittel

Das Verfüttern einer rohen, getrockneten oder gekochten Küchenzwiebel kann bereits tödliche Folgen für

ihr Tier haben und zu einer Hämolyse führen, also einer Auflösung der roten Blutkörperchen. Toxisch wirken

rohe Zwiebeln beim Hund schon ab einer Menge von 5 bis 10 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, dass

heißt eine mittelgroße Zwiebel (200-250g) kann bereits für einen mittelgroßen Hund toxisch sein.

Eine Vergiftung beginnt meist mit Erbrechen und Durchfall. Nach einigen Tagen fallen Appetitlosigkeit,

Schwäche, Ausscheiden von blutigem Urin und Beschleunigung der Herz- und Atemfrequenz auf. Mit dem

Einstellen der Zwiebelfütterung tritt eine Erholung meist schon binnen einer Woche ein.

Das Fruchtfleisch und auch der Kern einer Avocados, Spinat, Rhabarber oder Rüben können für alle

Haustierarten ebenfalls giftig sein. Die in diesen Lebensmitteln hohen Gehalte an Oxalaten können zu

schweren, zum Teil blutigen Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen und eventuell krampfartigen Anfällen

führen.

Sowohl für Menschen als auch für Tiere können ungekochte Gartenbohnen giftig sein. Sie enthalten das

Toxin Phasin, welches erst durch den Kochvorgang zerstört wird.

Mensch und Tier reagieren auf den Verzehr roher Bohnen mit Erbrechen, zum Teil aber auch mit blutigen

Durchfällen, Bauchkrämpfen und Kollaps.

Allgemein bekannt dürfte mittlerweile sein, dass Kartoffeln toxisch auf Mensch und Tier wirken, wenn sie

noch grün sind oder wenn sie bereits auskeimen, da dann der Solaningehalt in der Schale am höchsten ist.

Werden diese Kartoffeln als Pell- oder Grillkartoffel gegessen oder verfüttert besteht die Gefahr der

Vergiftung, die sich in der Regel durch Erbrechen und Durchfall äußert.

Kernobst wie Kirschen, Pflaumen, Aprikosen oder Pfirsiche enthalten in ihren Kernen die Toxine Amygdalin

und Prunasin, die im Organismus Blausäure abspalten, welches zu einer Blockierung der Zellatmung führt.

Vergiftungen können auftreten, wenn das Tier beim Fressen diese Kerne knackt. Symptome für die

Vergiftung sind ein Kratzen im Hals, Speicheln, Übelkeit und Erbrechen. In ernsteren Fällen treten

Herzklopfen und Herzschmerzen, Atembeschwerden und eine erhöhte Körpertemperatur auf.

In Deutschland relativ unbekannt ist, dass auch das Verfüttern von Weintrauben und Rosinen an Haustiere

ganz und gar nicht unbedenklich ist. Die Ursache hierfür ist noch nicht hinreichend erforscht. Fest steht nur,

dass Hunde durch den Genuss dieser Nahrungsmittel schwerwiegende und zum Teil sogar tödliche

Nierenschäden davontragen können. Aus diesem Grund sollte auf das Verfüttern von Trauben in jeglicher

Form verzichtet werden.

Holunderbeeren stellen eine weitere Frucht dar, die gesundheitliche Probleme bei Hunden verursachen

können. Bei der Aufnahme einer größeren Menge roher Früchte können Magen- und Darmbeschwerden bei

unseren Haustieren auftreten.

Ebenfalls als unbedenkliches „Leckerli“ gilt Kakao bzw. Schokolade, die es sogar im Tierhandel zu kaufen

gibt. Aber auch hier ist größte Vorsicht bei der Menge geboten: 50g Vollmilch- oder nur 7g

Zartbitterschokolade je Kilogramm Körpergewicht beim Hund können zu Symptomen wie Erbrechen,

Durchfall und Krämpfen führen und sogar den Tod des Tieres durch Herzversagen hervorrufen. Schuld

daran ist das in Kakao enthaltene Theobromin gegen das der Hund eine Überempfindlichkeit besitzt.

Ein Produkt, dass ebenfalls in Schokolade enthalten ist und von vielen Tieren nicht vertragen wird ist

Kuhmilch. Sie wird häufig pur oder mit Wasser verdünnt an Katzen verfüttert, was bei ihnen zu Erbrechen

und Durchfall führen kann. In der Natur würden erwachsene Katzen nach der Säugeperiode keine Milch

mehr zu sich nehmen, was evolutionär dazu geführt hat, dass ausgewachsenen Katzen ein für die

Milchzuckerspaltung wichtiges Enzym nicht mehr in ihrem Verdauungstrakt zur Verfügung steht. Ähnlich

verhält es sich mit Hunden und Kleintieren, denen häufig Milch in Form von Joghurtdrops angeboten wird.

Durch das Unvermögen der Milchzuckerspaltung, Stichwort Laktoseunverträglichkeit, kommt es bisweilen zu

schweren Durchfällen.

Und auch wenn dem Hund ein Stückchen Schweinefleisch jederzeit gegönnt sein soll, so sollte man

wissen, dass es ihm im rohen Zustand gefährlich werden kann. Es kann den Erreger der Aujeszkyschen

Krankheit oder Pseudowut enthalten. Dieses für den Menschen, unproblematische Herpesvirus stellt eine

Allgemeinerkrankung meist junger Schweine dar, für das aber auch eine Vielzahl anderer Tiere wie z. B.

Hunde, Katzen und andere Fleischfresser (Nerze und Frettchen) sehr empfänglich sind. Bei allen

empfänglichen Tierarten, außer dem Schwein, endet die Infektion tödlich, weshalb Schweinefleisch vor der

Verfütterung vollständig erhitzt werden sollte.

Bananen sind zwar nicht giftig und können in kleinen Mengen durchaus gefüttert werden, da Bananen

jedoch einen sehr hohen Gehalt an Kalium haben, können sie in größeren Mengen zu Veränderungen der

Herzmuskelaktionen und sogar zum Herzstillstand führen. Hier ist es wie bei fast allem, die Dosis macht

das Gift.

Achtung! Giftige Zimmerpflanzen! Giftige Gartenpflanzen!

Im Folgenden genannte Zimmerpflanzen können für unsere Haustiere giftig sein:

Baumfreund/Baumlieb, Feigenbaumarten wie Benjamini, Gummibaum, Weihnachtsstern und Fensterblatt

sind, von Haustieren in bestimmten Mengen und regelmäßigen Abständen gekaut bzw. gefressen, schwach

bis mäßig giftig für die Tiere. Sehr stark giftig sind dagegen Schweigstock, Schweigroh, Giftaron und Eibe.

Die Eibe bzw. deren Beeren sind nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen hochgiftig und führen zum

Tode.

Goldregen, Mistel, Rhododendron/Azalee, Yuccapalmen, Drachenbaum und Efeu können ebenfalls

Vergiftungserscheinungen wie Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Koordinationsstörungen und

Herzrasen hervorrufen. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu einem Kreislaufkollaps.

Zimmerpflanzen sollten daher außerhalb der Reichweite sämtlicher Haustiere aufgestellt werden, so dass

diese weder die Pflanzen selbst noch heruntergefallene Blätter fressen können.

Auch im Garten lauern für Tiere gefährliche Pflanzen. Dazu gehören die sehr stark toxisch wirkenden

Pflanzen wie Oleander, Rizinus, Schwarzer Nachtschatten, Trompetenbaum, Maiglöckchen und Fingerhut.

Stark giftig sind hingegen Pflanzen wie Bittersüßer Nachtschatten, Immergrüner Buchsbaum und Lilien.

Giftig wirken auch Alpenveilchen, Osterglocken und Wandelröschen.

Ob ein Tier nach dem Verzehr einer dieser Pflanzen akut in Gefahr ist, hängt nicht nur von der

aufgenommenen Menge ab. Entscheidend ist auch, wie groß das Tier ist und wie viel Körpergewicht es hat –

ein kleines, leichtes Tier verträgt natürlich viel weniger als ein großes, schweres.

Diese Aufzählung stellt nur einen Auszug aus einer fast endlos langen Liste von giftigen Zimmer- und

Gartenpflanzen dar. Zu diesem Thema finden Sie im Buchhandel sehr gute und umfangreiche Literatur.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die die unbeabsichtigte Aufnahme einer Hanfpflanze oder deren

Blätter für ein Tier darstellt. Neben den körperlichen Symptomen wie Speicheln, Durchfall, Erbrechen,

Muskelschwäche und gesteigertes Schlafbedürfnis kommen neurologische Symptome wie Hyperaktivität,

Depression, gesteigerte Aggressivität, zwanghaftes Beobachten von imaginären Gegenständen oder

Desorientiertheit hinzu. Je nach Schwere der Vergiftung kann eine Genesung unter Umständen Wochen

dauern. Aber auch die Aufnahme von Tabak stellt eine erhebliche Gefahr dar, schon die orale Aufnahme

von nur einer Zigarette kann je nach Größe des Tieres schwerste Symptome hervorrufen und bedarf in

jedem Fall tierärztlicher Behandlung.

Gegenmaßnahmen bei eingetretener Vergiftung

Sofern nur eine leichte Vergiftung eingetreten ist, kuriert sich das Tier in aller Regel von selbst. Zeigt das

Tier jedoch schwere Vergiftungserscheinungen, so sollte sofort der Tierarzt aufgesucht und das Tier

behandelt werden. Der Tierarzt kann zwar nur selten ein Gegengift verabreichen, er kann jedoch die

Symptome behandeln, das Tier stabilisieren und damit das Leiden des Tieres verringern und sein Überleben

ermöglichen.

In jedem Fall sollte ein Stück der gefressenen Pflanze zum Tierarzt mitgenommen werden, denn das

erleichtert die Diagnose sowie die Behandlung ungemein.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Tier ein „echtes“ oder eines der hier aufgezählten Gifte aufgenommen

hat, ist ein vorsorglicher Besuch bei Ihrem Tierarzt sicherer, als die Symptome abzuwarten. Wenn die

Aufnahme noch nicht zu lange zurück liegt, kann Ihr Tierarzt ein Brechmittel verabreichen, das eventuell

einer Vergiftung vorbeugt.

In jedem Fall ist Vorsicht besser als Nachsicht.

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